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Herbstfärbung des Waldes im Mai nach Spätfrost

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Spätfrost: Neue Katastrophe für den Thüringer Wald nach Sturm, Dürre und Borkenkäfer

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Eisheilige haben großflächige Frostschäden an den Bäumen im Thüringer Wald angerichtet – Maitriebe von Buchen, Fichten und Tannen erfroren – Schaden noch nicht bezifferbar

Suhl/Erfurt (TSD). Wer gestern oder heute von Suhl nach Schmiedefeld gefahren ist, dem ist spätestens nach Erreichen der Ringberg-Höhe aufgefallen, dass etwas nicht stimmt. Noch am Sonntag waren die Laubwälder in frisches Maigrün gehüllt, jetzt aber erinnert die Kulisse farblich eher an eine Szene im Oktober. Und es riecht sogar nach Herbst in den Wäldern auf den Höhen. Schaut man genauer hin, entdeckt man, dass das meiste Maigrün an den Buchen, egal ob kleine oder große, verwelkt ist, sich olivgrün bis braun verfärbt hat und nur noch schlaff an den Zweigen baumelt. Auch der frische Austrieb an Fichten und Tannen hängt nur noch kraftlos herab und verliert seine Farbe.

Erfrorene Blätter und Triebe einer Rotbuche.
Erfrorene Blätter und Triebe einer Rotbuche.

Was ist passiert? Das, wovor sich jeder Gärtner fürchtet: Die Eisheiligen haben nicht nur in vielen Gärten, sondern dieses Jahr auch in den Wäldern mit einem für Mai extremen Frost in der Nacht von Montag auf den gestrigen Dienstag erbarmungslos zugeschlagen. Zuvor war in den Höhenlagen des Thüringer Waldes erst Starkregen, dann Hagel und Schnee niedergegangen. Über dem Schnee konnte sich die Luft besonders stark abkühlen.

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Erfrorene Maitriebe einer Fichte.
Erfrorene Maitriebe einer Fichte.

Es wird noch einige Tage oder Wochen dauern, bis sich das ganze Ausmaß der Schäden offenbar wird. Die Buchen zeigen am sichtbarsten das Sterben der jungen Triebe und Blätter. Andere Baumarten – Spitzahorn oder Eberesche zum Beispiel – schauen im Moment etwas gerupft aus mit deutlichen Zeichen von Welke, sind aber noch grün. Man wird sehen, ob Erholung eintritt oder Nekrosen entstehen.

ThüringenForst sieht die Lage dramatisch

NHZ-Redaktionsleiter Thomas Dreger fragte heute Vormittag bei ThüringenForst nach, ob es schon Daten zu der Frostkatastrophe in den Wäldern des Freistaates gäbe. In Erfurt wusste man darüber zunächst noch nichts. ThüringenForst-Sprecher Dr. Horst Sproßmann erkundigte sich daraufhin in einigen Forstämtern und bestätigte später die Dramatik der Schäden, die der Spätfrost in der Montagnacht angerichtet hat.

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„Anlässlich eines Außentermins war ich heute im Forstamt Neuhaus (Katzhütte) und sprach dort mit einem Revierförster“, so Sproßmann in seinem Bericht an die NHZ. „Er bestätigte mir Ihre Beobachtungen. Der Revierförster erwähnte erschreckend umfassende Spätfrostschäden an den Maitrieben insbesondere von Buchen, aber auch Fichten und Tannen. Auch in Talsenken, wo sich der Frost oft ‚einnistet‘, sind ganze Baumgruppen erfroren.“

Von großen Ausfällen der Jungpflanzen muss ausgegangen werden

Zwei Revierförster des Forstamtes Oberhof hatten dem ThüringenForst-Sprecher ebenfalls über unübersehbare (braun-schwarze) Spätfrostschäden in der Höhenlage von 750 bis 800 Metern an Buche, auch Fichte und Tanne berichtet: „Alles was frisch ausgetrieben hatte, litt unter dem Spätfrost der vorletzten Nächte“, so Sproßmann weiter. „Besonders schlimm: Die Naturverjüngung ohne Altbäume darüber (ohne Schirm) wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Hier muss von großen Ausfällen der Jungpflanzen ausgegangen werden.“

Frostgeschädigte Rotbuche an der Wegscheide.
Frostgeschädigte Rotbuche an der Wegscheide.

Laut Aussage des Forstfachmannes in Erfurt werde ein Gesamtüberblick über die Schadenssituation frühestens am 8. Juni 2020 vorliegen, wenn alle Thüringer Forstämter ihren Waldzustandsbericht im Rahmen des elektronischen Waldschutzmeldesystems eingesendet haben.

Erst dann lässt sich das wahre Ausmaß der Katastrophe beurteilen. „Dem Wald wird derzeit von allen Seiten zugesetzt“, sorgt sich Dr. Horst Sproßmann mit Verweis auf die Sturmschäden der letzten beiden Jahrzehnte, die Trockenheit 2018 und 2019 und die folgende Borkenkäferinvasion. „Jetzt kommen auch noch flächige Spätfrostschäden in den Mittelgebirgslagen hinzu!“

Titelbild: Am Sonntag noch in frisches Maigrün gehüllt zeigen sich die Buchenmischwälder zwischen Suhl und Schmiedefeld nach dem Frost in der Montagnacht in herbstlichen Farben. Es riecht sogar nach Herbst.
Fotos: Thomas Dreger

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