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Astronomisches Phänomen im Museum Kloster Veßra zu beobachten

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Kloster Veßra. „Aufgrund der auch im Museum Kloster Veßra alles überschattenden Corona-Epidemie hätten wir fast ein wichtiges Ereignis in unserem Museum verpasst. Jedes Jahr zur selben Zeit, nämlich einige Tage vor und nach dem 25. März, werden wir in der Südkapelle des ehemaligen Prämonstratenserklosters Zeugen eines astronomischen Phänomens“, schildert Claudia Kranert vom Hennebergischen Museum Kloster Veßra in einer Mitteilung. „Bei idealen Wetterbedingungen fällt zwischen 7.30 und 8.30 Uhr durch eine zylinderförmige Öffnung in der Ostwand ein starker Lichtstrahl und erleuchtet einen Teil der Westseite der Südkapelle. Unsere Gärtnerinnen hatten das Glück – sie waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort und die Sonne hat auch noch mitgespielt.“


Der beleuchtete Teil des westlichen Kapellenraumes – der Lichtstrahl zielt auf einen genauen Ort hin, möglicherweise der Ort, an dem einst eine Marienfigur gestanden hat (heute ist hier die Multimediainstallation untergebracht).

Lange Zeit war dieses Phänomen nicht sichtbar, da die Südkapelle bei einem Brand stark zerstört und erst in den 1960er Jahren wieder aufgebaut worden war. Über die Funktion dieser besonderen Öffnung in der Wand wurde danach viel gerätselt. In der Wissenschaft ist man heute davon überzeugt, dass die Südkapelle offenbar ein besonderer Ort der Marienverehrung war. Die dem Prämonstratenserorden angehörige, religiöse Gemeinschaft in Veßra verehrte besonders intensiv die Gottesmutter Maria, die Schutzpatronin des Klosters. Deshalb nahmen im Klosteralltag die Kirchenfeste, an denen Maria verehrt wurde, eine besondere Rolle ein. Der 25. März war im Mittelalter mit Abstand das wichtigste Marienfest innerhalb der christlichen Marienverehrung. An diesem Tag wird Mariä Verkündigung gefeiert, weil laut der Heiligen Schrift an diesem der Engel Gabriel verkündet habe, dass die Jungfrau Maria den Sohn Gottes vom Heiligen Geist empfangen und ihn gebären werde.

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Die Museumsgärtnerin versucht, das Schauspiel mit ihrer Handykamera einzufangen.

Gut vorstellbar, dass die Brüder und Schwestern für die Heilige Maria einen besonderen Ort innerhalb des Klosters errichtet haben. Vieles deutet darauf hin, dass in der Südkapelle ein Marienbild oder eine Marienstatue gestanden hat. Diese wurden am 25. März besonders angestrahlt, wodurch eine besonders magische Wirkung erzielt wurde. Einen eindeutigen Beweis gibt es dafür jedoch nicht.

Die Kapelle ist heute ein seltenes erhaltenes Beispiel für die angewandte Astronomie des Mittelalters.

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Alle Informationen zu diesem astronomisch-architektonischen Meisterwerk sowie zur Marienverehrung des Klosters sind für die Museumsbesucher multimedial aufbereitet und ermöglichen unter anderem durch Lichtinstallationen an allen Tagen des Jahres, dieses Phänomen nachvollziehen zu können. Ein Grund mehr also, dem Museum, sobald es wieder öffnen darf, einen Besuch abzustatten.

Titelbild: Sonneneinstrahlung an der Ostseite der Südkapelle oben rechts.
Text: Museum Kloster Veßra, Claudia Krahnert; Fotos: Museum

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